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Der Wirtschaftsraum Weser-Ems Wirtschaftslage und Finanzierung im Mittelstand, Herbst 2011
Der Wirtschaftsraum Weser-Ems Wirtschaftslage und Finanzierung im Mittelstand, Herbst 2011
Weser-Ems-Mittelstand zeigt keine Schwäche − Erwartungen weiterhin optimistisch
Wirtschaftsboom im Weser-Ems-Gebiet - Erwartungen weiterhin sehr optimistisch
Osnabrück, 13.10.2011
2011 ist ein Rekordjahr für die mittelständische Wirtschaft zwischen Weser und Ems. Die Einschätzungen der Unternehmen zur Geschäftslage sowie zur Entwicklung von Umsätzen und Beschäftigten sind sehr positiv ausgefallen. Alle Konjunkturindikatoren haben sich im Vergleich zum Herbst 2010 nochmals verbessert.
58,7 Prozent und damit mehr als die Hälfte der 950 Befragten sprechen von einer guten oder sehr guten Geschäftslage, nachdem das vor einem Jahr auf 54,6 Prozent der Unternehmen zutraf. Überdurchschnittlich viele positive Einschätzungen finden sich im Baugewerbe, im Dienstleistungssektor sowie bei größeren Unternehmen aus dem Mittelstand. Wie im Vorjahr beklagt sich nur eine Minderheit von 2,6 Prozent der befragten Unternehmen (Vorjahr. 2,4 Prozent) über einen schlechten Geschäftsverlauf.
Die gute Stimmung im WeserEmsMittelstand passt zur Entwicklung der Umsätze. So verzeichnete nahezu jedes zweite Unternehmen (48,5 Prozent) höhere Umsätze als im Vorjahr (45,4 Prozent). Jedes zehnte Unternehmen aus dem WeserEmsRaum (10,3 Prozent) musste Einbußen beim Umsatz hinnehmen. Im vergangenen Herbst hatten 17,8 Prozent der Befragten ein Umsatzminus gemeldet.
Die meisten Umsatzsteigerungen wurden im Verarbeitenden Gewerbe registriert. Hier verbesserten 52,4 Prozent der Befragten ihre Umsatzzahlen. Im Handel schafften das 48,8 Prozent, im Dienstleistungssektor 47,2 Prozent und im Baugewerbe 43,1 Prozent der Befragten. In allen vier Hauptwirtschaftsbereichen wurden zudem weniger Umsatzrückgänge gemeldet. Besonders deutlich wird dies im Baugewerbe. Hier verringerte sich der Anteil der Unternehmen, die Umsatzeinbußen zu verkraften hatten, binnen Jahresfrist von 24,6 auf 7,8 Prozent.
Hohe Einstellungsbereitschaft, Zuwächse in allen Bereichen
Die mittelständische Wirtschaft hat wesentlichen Anteil am Jobwunder in Deutschland. Das gilt auch für die Unternehmen im WeserEmsGebiet. Vier von zehn (39,6 Prozent) haben die Zahl ihrer Mitarbeiter in den letzten Monaten aufgestockt. Einen Personalabbau mussten während dieser Zeit 8,1 Prozent der Befragten vornehmen. Im Vergleich mit der Vorjahresbefragung zeigen die regionalen Mittelständler in diesem Jahr eine höhere Einstellungsneigung. Vor einem Jahr hatte nur jedes dritte Unternehmen (33,0 Prozent) angegeben, zusätzliche Stellen geschaffen zu haben. 11,0 Prozent berichteten damals von einem Personalabbau.
Jedes zweite Unternehmen (48,9 Prozent) aus der Region hat sich mit bis zu fünf neuen Arbeitskräften verstärkt – meist sozialversicherungspflichtige Vollzeitstellen. Jeder Fünfte (19,9 Prozent) hat eine neue Stelle geschaffen, 17,0 Prozent der Befragten stellten mehr als fünf zusätzliche Mitarbeiter ein.
Beschäftigungszuwächse sind in allen vier Hauptwirtschaftsbereichen festzustellen. Den höchsten Anteil an Unternehmen mit Personalaufstockungen findet sich im Verarbeitenden Gewerbe (42,3 Prozent), gefolgt vom Baugewerbe (41,3 Prozent) und dem Dienstleistungssektor (39,3 Prozent). Auch im Handel sind per Saldo neue Jobs entstanden; 35,0 Prozent der Handelsbetriebe haben das Personal aufgestockt, 7,4 Prozent mussten Entlassungen vornehmen.
Umsatzerwartungen trotzen den Rezessionsängsten, Investitionsplanungen vorsichtiger
Die Umsatzerwartungen der Mittelständler zeigen sich trotz der zunehmend schlechten Konjunkturnachrichten vergleichsweise stabil. Wie im Vorjahr rechnet jeder Dritte (33,2 Prozent; Vorjahr: 34,2 Prozent) in den kommenden Monaten mit Umsatzsteigerungen. Zugleich haben auch die Pessimisten ihren Anteil nicht ausgebaut. Nachdem sich im Herbst 2010 7,3 Prozent der Befragten skeptisch geäußert hatten, sind es in diesem Jahr 6,8 Prozent. In allen Wirtschaftszweigen sind die Optimisten, die steigende Umsatzzahlen erwarten, in der Mehrzahl.
Die Personal und Investitionsplanungen der Unternehmen zeigen aber eine zunehmend vorsichtige Vorgehensweise. Zwar gibt es auch in den kommenden Monaten per Saldo weiteren Personalbedarf im Mittelstand, da ein Siebtel der Befragten (14,4 Prozent) die Mitarbeiterzahl aufstocken will und nur einer von zwanzig (4,5 Prozent) Entlassungen plant. Allerdings zeigten die hiesigen Unternehmen im Vorjahr mehr Einstellungsfreude, als jeder Fünfte (19,1 Prozent) die Belegschaft vergrößern wollte. Zuwächse beim Personal sind vor allem in Technologiebranchen wie der EDV, dem Maschinen und Fahrzeugbau und der Elektrotechnik zu erwarten. Überdurchschnittlich hoch ist die Beschäftigungsnachfrage zudem im Bereich der unternehmensnahen Dienstleister.
Nachdem im Herbst 2010 noch 48,9 Prozent der befragten Mittelständler aus der Region Investitionen angekündigt hatte, hat sich dieser Anteil auf aktuell 46,6 Prozent verringert. Der WeserEmsMittelstand zeigt sich damit bei seinen Investitionsplanungen zurückhaltender als der bundesweite Durchschnitt (49,1 Prozent). Am investitionsfreudigsten sind Unternehmen aus dem Verarbeitenden Gewerbe (54,5 Prozent), Dienstleister (45,6 Prozent) sowie tendenziell größere Unternehmen mit mehr als 50 Beschäftigten.
Mehr Ertragskraft im Mittelstand, höhere Eigenkapitalquoten, aber kein Rückgang der Insolvenzen
Die Ertragslage des Mittelstandes, lange Zeit ein Sorgenkind, zeigt weiter eine positive Entwicklung. 37,7 Prozent der Unternehmen melden Ertragssteigerungen. Das ist exakt der gleiche Prozentanteil wie im Vorjahr. Gleichzeitig schrumpft der Anteil der Unternehmen, die über Ertragseinbußen klagen; von 21,6 Prozent im Herbst 2010 auf 17,7 Prozent. Und die Aussichten sind weiterhin gut. Zwar wird die künftige Ertragsentwicklung von den Unternehmen nicht mehr ganz so optimistisch beurteilt wie im Vorjahr. Allerdings rechnen immer noch 27,8 Prozent der Befragten (Vorjahr: 30,5 Prozent) mit Gewinnzuwächsen, während jeder Achte (12,2 Prozent; Vorjahr: 11,3 Prozent) sinkende Erträgen befürchtet. Vergleichsweise optimistisch sind die Unternehmen aus dem Dienstleistungssektor.
Die durchschnittliche Eigenkapitalquote im WeserEmsMittelstand (Kapitalgesellschaften) stieg 2010 auf 32,3 Prozent (2009: 30,7 Prozent). Allerdings leiden weiterhin 21,0 Prozent der hiesigen Unternehmen unter Eigenkapitalmangel, da ihre Eigenkapitalquote weniger als zehn Prozent ausmacht. Gefährdet in dieser Hinsicht ist vor allem das Baugewerbe, wo drei von zehn Unternehmen als schwach kapitalisiert gelten.
Anders als in der Bundesrepublik als Ganzes dürfte die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im WeserEmsGebiet im laufenden Jahr kaum sinken. Nachdem 2010 insgesamt 1.118 Unternehmensinsolvenzen verzeichnet wurden, ist 2011 nur mit einem geringfügigen Minus von 1 bis 2 Prozent zu rechnen. Verstärkt sind kleinere und kapitalschwache Unternehmen betroffen. Den höchsten Anteil am Insolvenzgeschehen weist der Dienstleistungssektor auf (54,9 Prozent aller Fälle), gefolgt vom Handel (20,5 Prozent) und dem Baugewerbe (14,9 Prozent).
Die mittelständische Wirtschaft ist in großen Teilen regional bzw. national ausgerichtet. Allerdings schreitet die Internationalisierung voran – vor allem bei größeren Unternehmen aus dem Verarbeitenden Gewerbe. Rund drei Viertel der Mittelständler aus dem WeserEmsRaum (75,7 Prozent), die exportieren, erzielen bereits bis zu zehn Prozent des Gesamtumsatzes im Ausland. 6,2 Prozent der Unternehmen setzen mehr als jeden zweiten Euro im Ausland um.
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